Karl Marx / Friedrich Engels / Werke, Band 8, S. 5 - 108
Dietz Verlag, Berlin 1972 / DDR
Geschrieben August 1851 bis September 1852
Aus: "New-York Daily Tribune"
Die Überschriften sind an die 1896 von Eleanor Marx-Aveling besorgte Ausgabe in englischer Sprache angelehnt.
XIV. Die Wiederherstellung der Ordnung -Reichstag und Kammern
XV. Preußens Triumph
XVI. Die Nationalversammlung und die Regierungen
XVII. Der Aufstand
XVIII. Die Kleinbürger
XIX. Das Ende des Aufstandes
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XIV. [Die Wiederherstellung der Ordnung û Reichstag und Kammern]
Die ersten Monate des Jahres 1849 wurden von der österreichischen und preußischen Regierung dazu benutzt, die im Oktober und November des Vorjahres errungenen Vorteile weiter zu verfolgen. Der österreichische Reichstag hatte seit der Einnahme Wiens ein reines Schattendasein in dem kleinen mährischen Landstädtchen Kremsier geführt. Hier widerfuhr den slawischen Abgeordneten, die mitsamt ihren Wählern hauptsächlich dazu beigetragen hatten, die österreichische Regierung aus ihrer tiefen Erniedrigung wieder emporzuheben, eine einzigartige Züchtigung für ihren Verrat an der europäischen Revolution. Kaum hatte die Regierung ihre Kraft wiedererlangt, da begann sie den Reichstag und sein slawische Mehrheit mit der größten Verachtung zu behandeln, und als nach den ersten Erfolgen der kaiserlichen Waffen eine rasche Beendigung des Kriegs in Ungarn zu erwarten stand, wurde der Reichstag am 4.März aufgelöst und seine Abgeordneten mit Waffengewalt auseinandergetrieben. Jetzt erkannten die Slawen endlich, daß man sie zum Narren gehalten, und jetzt erhob sich der Ruf: Auf nach Frankfurt, laßt uns dort die Opposition weiterbetreiben, die uns hier unmöglich gemacht wird! Aber jetzt war es zu spät, und die bloße Tatsache, daß sie keine andere Wahl mehr hatten, als sich still zu verhalten oder in die machtlose Frankfurter Versammlung einzutreten û diese Tatsache allein bewies zur Genüge ihre völlige Hilflosigkeit.
So endeten für jetzt und höchstwahrscheinlich für immer die Versuche der Slawen Deutschlands, wieder zu nationaler Selbständigkeit zu gelangen. Zersplitterte Reste zahlreicher Nationen, deren Nationalität und politische Lebenskraft längst erloschen waren und die sich daher seit beinah einem Jahrhundert gezwungen sahen, den Spuren einer stärkeren Nation zu folgen, die sie überwunden, wie die Walliser in England, die Basken in Spanien, die <81> Niederbretonen in Frankreich und in jüngster Zeit die spanischen und französischen Kreolen in den neuerdings von den Angloamerikanern besetzten Teilen Nordamerikas û diese sterbenden Völkerstämme, die Böhmen, Kärntner, Dalmatiner usw., hatten versucht, sich die allgemeine Verwirrung des Jahres 1848 zunutze zu machen, um den politischen Status quo wiederherzustellen, der A.D. 800 bestanden. Die Geschichte eines Jahrtausends müßte ihnen gezeigt haben, daß ein solcher Rückschritt nicht möglich war; daß wenn das ganze Gebiet östlich der Elbe und der Saale einstmals von miteinander verwandten slawischen Völkerschaften besiedelt gewesen, diese Tatsache nur die geschichtliche Tendenz und die physische und intellektuelle Fähigkeit der deutschen Nation bewies, ihre alten östlichen Nachbarn zu unterwerfen, aufzusaugen und sie zu assimilieren; daß diese absorbierende Tendenz der Deutschen stets eines der mächtigsten Mittel gewesen und noch ist, wodurch die westeuropäische Zivilisation in Osteuropa verbreitet wurde; daß diese Tendenz erst dann aufhören konnte, als der Prozeß der Germanisierung auf die Grenze starker, geschlossener, ungebrochener Nationen stieß, die imstande waren, ein selbständiges nationales Leben zu führen wie die Ungarn und in gewissem Grade die Polen; und daß es deshalb das natürliche unvermeidliche Schicksal dieser sterbenden Nationen war, diesen Prozeß der Auflösung und Aufsaugung durch ihre stärkeren Nachbarn sich vollenden zu lassen. Das ist allerdings keine sehr schmeichelhafte Aussicht für den nationalen Ehrgeiz der panslawistischen Schwärmer, die es fertiggebracht, einen Teil der Böhmen und Südslawen in Bewegung zu setzen, aber können sie erwarten, die Geschichte werde um tausend Jahre zurückschreiten, einigen schwindsüchtigen Völkerschaften zuliebe, die auf den von ihnen bewohnten Gebieten überall mitten unter Deutschen und in deutscher Umgebung, die seit fast undenklichen Zeiten für jede Äußerung kulturellen Lebens keine andere Sprache haben als die deutsche und denen die erste Bedingung nationaler Existenz fehlen: größere Bevölkerung und Geschlossenheit des Gebiets? Daher prallte die panslawistische Welle, unter der sich überall in den slawischen Gegenden Deutschlands und Ungarns das Streben nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit all dieser ungezählten kleinen Nationen verbarg, überall mit der revolutionären Bewegung Europas zusammen; und mochten die Slawen auch vorgeben, für die Freiheit zu kämpfen, so waren sie doch (mit Ausnahme des demokratischen Teils der Polen) unwandelbar auf seiten des Despotismus und der Reaktion zu finden. So war es in Deutschland, so war es in Ungarn und hier und da sogar auch in der Türkei. Verräter an der Sache des Volkes, Helfershelfer und Hauptstützen des Ränkespiels der österreichischen Regierung, brachten sie sich durch ihr Verhalten bei allen <82> revolutionären Nationen in Acht und Bann. Und obwohl die Masse des Volkes sich nirgends an dem kleinlichen Gezänk über Nationalitäten beteiligte, das die panslawistischen Führer anzettelten, schon aus dem einfachen Grunde, weil es zu unwissend war, wird es doch für immer unvergessen bleiben, daß in Prag, einer halbdeutschen Stadt, Scharen slawischer Fanatiker jubelnd den Ruf aufnahmen: "Lieber die russische Knute als die deutsche Freiheit!" Nachdem ihre erste Anstrengung 1848 nutzlos verpufft war und nach der Lehre, die ihnen die österreichische Regierung erteilte, ist kaum anzunehmen, daß sie bei späterer Gelegenheit einen neuen Versuch unternehmen. Aber wenn sie noch einmal versuchen sollten, sich unter ähnlichen Vorwänden mit den Mächten der Konterrevolution zu verbinden, so ist die Pflicht Deutschlands klar. Kein Land, das sich im Zustand der Revolution und im Krieg mit dem Ausland befindet kann eine Vendée innerhalb des Landes dulden.
Auf die Verfassung, die der Kaiser gleichzeitig mit der Auflösung des Reichstags erließ, brauchen wir nicht zurückzukommen, denn sie ist praktisch niemals wirksam geworden und ist jetzt bereits völlig beseitigt. Der Absolutismus ist in Österreich seit dem 4.März 1849 in jeder Beziehung vollständig wiederhergestellt.
In Preußen traten im Februar die Kammern zusammen, um die vom König erlassene neue Verfassung zu revidieren und zu bestätigen. Sie tagten etwa sechs Wochen, unterwürfig und demütig genug in ihrem Verhalten gegenüber der Regierung, aber doch nicht ganz so gefügig, wie der König und seine Minister sie haben wollten. Deshalb wurden sie auch bei der ersten passenden Angelegenheit aufgelöst.
Damit war man fürs erste in Österreich wie in Preußen der Fesseln der parlamentarischen Kontrolle ledig. Die beiden Regierungen konzentrierten jetzt die gesamte Macht bei sich allein und konnten sie überall einsetzen, wo sie gerade gebraucht wurde, Österreich gegen Ungarn und Italien, Preußen gegen Deutschland. Denn auch Preußen rüstete zu einem Feldzug, durch den die "Ordnung" in den kleineren Staaten wiederhergestellt werden sollte.
Nachdem jetzt in den beiden großen Mittelpunkten der Bewegung in Deutschland, in Wien und Berlin, die Konterevolution wieder das Heft in der Hand hatte, blieben nur die kleineren Staaten, in denen der Kampf noch nicht entschieden war, obgleich sich die Waage auch dort immer mehr zuungunsten der Revolution senkte. Diese kleineren Staaten hatten, wie schon bemerkt, einen gemeinsamen Mittelpunkt in der Frankfurter Nationalversammlung gefunden. Nun war aber diese sogenannte Nationalversamm- <83> lung, mochte auch ihr reaktionärer Charakter längst so offenkundig sein, daß das Volk in Frankfurt selbst die Waffen gegen sie erhob, ihrem Ursprung nach doch mehr oder weniger revolutionärer Natur. Sie hatte im Januar eine abnorme, revolutionäre Stellung eingenommen. Ihre Zuständigkeit war niemals abgegrenzt wurden, und schließlich hatte sie sich zu dem û von den größeren Staaten allerdings niemals anerkannten û Entschluß aufgerafft, ihren Beschlüssen Gesetzeskraft zu verleihen. Unter diesen Umständen, und da die konstitutionell-monarchistische Partei infolge des Wiedererstarkens des Absolutismus ihre Stellung völlig verändert sah, ist es nicht verwunderlich, daß die liberale monarchistische Bourgeoisie fast in ganz Deutschland ihre letzte Hoffnung auf die Mehrheit dieser Versammlung setzte, ebenso wie das Kleinbürgertum, der Kern der demokratischen Partei, in seiner wachsenden Bedrängnis sich um jene Minderheit der gleichen Körperschaft scharte, die in der Tat die letzte geschlossene parlamentarische Phalanx der Demokratie darstellte. Auf der anderen Seite erkannten die größeren Regierungen und besonders die preußische immer mehr die Unvereinbarkeit einer solchen regelwidrigen, aus Wahlen hervorgegangenen Körperschaft mit dem wiederhergestellten monarchischen System in Deutschland, und wenn sie nicht sofort ihre Auflösung erzwangen, so nur darum, weil die Zeit dazu noch nicht gekommen war und weil Preußen sie zunächst noch zur Förderung seiner eigenen ehrgeizigen Pläne ausnutzen wollte.
Inzwischen verfiel diese klägliche Versammlung selbst in immer größere Verwirrung. Ihre Deputationen und Kommissare waren in Wien wie in Berlin mit der größten Verachtung behandelt, eines ihrer Mitglieder, trotz seiner parlamentarischen Immunität, in Wien als gemeiner Rebell hingerichtet worden. Ihre Erlasse wurden nirgends beachtet; wenn die größeren Staaten sie überhaupt zur Kenntnis nahmen, so nur in Protestnoten, die der Versammlung das Recht abstritten, Gesetze anzunehmen und Beschlüsse zu fassen, die für ihre Regierungen bindend seien. Das Vertretungsorgan der Versammlung, die Zentrale Exekutivgewalt, war mit fast allen Kabinetten Deutschlands in diplomatische Händel verwickelt, und trotz aller ihrer Bemühungen konnten werde die Versammlung noch die Zentralregierung Österreich oder Preußen dazu bringen, ihre Absichten, Pläne und Forderungen endgültig darzulegen. Endlich begann die Versammlung wenigstens klar zu erkennen, daß sie sich alle Macht hatte entgleiten lassen, daß sie Österreich und Preußen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert war und daß sie, wenn sie überhaupt eine Reichsverfassung für Deutschland zustande bringen wollte, sofort und allen Ernstes an diese Aufgabe herangehen mußte. Und viele ihrer schwankenden Mitglieder erkannten jetzt ebenfalls klar, daß sie von den Regierungen gründ- <84> lich zum Narren gehalten worden waren. Aber was konnten sie bei ihrer Ohnmacht jetzt noch tun? Der einzige Schritt, der sie noch retten konnte, war der schleunige, entschiedene Übergang in das Lager des Volkes, obgleich der Erfolg selbst dieses Schrittes mehr als zweifelhaft geworden; und bei alledem, wo waren in diesem hilflosen Haufen unentschlossener, kurzsichtiger, aufgeblasener Geschöpfe, die, wenn der ewige Lärm widerspruchsvoller Gerüchte und diplomatischer Noten sie völlig betäubte, ihren einzigen Trost und Halt in der endlos wiederholten Versicherung suchten, daß sie die besten, die größten, die weisesten Männer des Landes seien, die allein Deutschland retten könnten; - wo waren, fragten wir, unter diesen Jammergestalten, die ein einziges Jahr parlamentarischen Lebens zu völligen Idioten gemacht, wo waren da die Männer, die einen raschen, kraftvollen Entschluß fassen, geschweige den tatkräftig und konsequent handeln konnten?
Endlich ließ die österreichische Regierung die Maske fallen. In ihrer Verfassung vom 4.März erklärte sie Österreich zur unteilbaren Monarchie mit gemeinsamem Finanz- und Zollsystem und gemeinsamem Heerwesen, um so alle trennenden Schranken zwischen den deutschen und nichtdeutschen Provinzen zu beseitigen. Diese Erklärung stand im schroffen Widerspruch zu Resolutionen und Artikeln der künftigen Reichsverfassung, die von der Frankfurter Versammlung bereits angenommen worden waren. Das war der Fehdehandschuh, den ihr Österreich hinwarf, und der armen Versammlung blieb keine andere Wahl, als ihn aufzunehmen. Sie tat dies mit einiger Prahlerei, was Österreich im Bewußtsein seiner Macht und der völligen Bedeutungslosigkeit der Versammlung ruhig hingehen lassen konnte. Und diese Vertretung des deutschen Volkes, wie diese köstliche Versammlung sich selbst betitelte, wußte, um sich für diesen Schimpf an Österreich zu rächen, nicht besseres zu tun, als sich, an Händen und Füßen gebunden, der preußischen Regierung zu Füßen zu werfen. So unglaublich es auch scheinen mag, sie beugte das Knie vor denselben Ministern, die sie als verfassungswidrig und volksfeindlich gebrandmarkt und auf deren Entlassung sie vergeblich gedrungen. Die Einzelheiten dieser schmachvollen Verhandlungen und die tragikomischen Ereignisse, die ihnen folgten, werden der Gegenstand unseres nächsten Briefes bilden.
London, April 1852
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Wir kommen jetzt zu dem letzten Kapitel in der Geschichte der deutschen Revolution: dem Konflikt der Nationalversammlung mit den Regierungen der verschiedenen Staaten, namentlich Preußens, der Erhebung von Süd- und Westdeutschland und ihrer schließlichen Niederwerfung durch Preußen.
Wir haben bereits die Frankfurter Nationalversammlung an der Arbeit gesehen. Wir haben gesehen, wie sie von Österreich mit Fußtritten traktiert, von Preußen beschimpft, wie ihr von den kleineren Staaten der Gehorsam verweigert, wie sie zum Narren gehalten wurde von ihrer eigenen ohnmächtigen Zentral"regierung", die sich wiederum von allen und jedem Fürsten an der Nase herumführen ließ. Zuletzt nahmen die Dinge jedoch eine für diese schwächliche, schwankende, abgeschmackte gesetzgebende Versammlung bedrohliche Gestalt an. Wohl oder übel mußte sie sich zu dem Schlusse bequemen, daß der "erhabene Gedanke der deutschen Einheit in seiner Verwirklichung bedroht sei", was nicht mehr und nicht weniger bedeutete, als daß die Frankfurter Versammlung mit allem, was sie getan und noch tun wollte, sich höchstwahrscheinlich in blauen Dunst auflösen würde. Deshalb machte sie sich allen Ernstes an die Arbeit, um so schnell wie möglich ihr großes Werk zu vollenden, die "Reichsverfassung".
Dabei ergab sich jedoch eine Schwierigkeit. Welcher Art sollte die Exekutivgewalt sein? Ein Vollzugsausschuß? Nein, daß hieße, dachten sie in ihrer Weisheit, Deutschland zur Republik zu machen. Ein "Präsident"? Das wäre auf das gleiche hinausgelaufen. Also mußte man die alte Kaiserwürde wieder hervorkramen. Aber û da natürlich ein Fürst Kaiser werden sollte û wer sollte es sein? Natürlich keiner der dii minorum gentium von Reuß-Greiz-Schleiz-Lobenstein-Ebersdorf bis Bayern; weder Österreich noch Preußen hätten sich das bieten lassen. Nur Österreich oder Preußen konnten es sein. Aber wer <86> von den beiden? Kein Zweifel, wären die sonstigen Umstände günstiger gewesen, die erhaben Versammlung säße noch heute beisammen und diskutierte über dieses wichtige Dilemma, ohne zu einem Entschluß kommen zu können, hätte nicht die österreichische Regierung den gordischen Knoten durchhauen und ihr die Mühe erspart.
Österreich wußte sehr wohl, daß von dem Augenblick, in dem es vor Europa wieder als der Herr aller seiner Provinzen, als starke europäische Großmacht auftreten konnte, schon allein das Gesetz der politischen Schwerkraft den Rest Deutschlands in seinen Machtbereich ziehen würde, ohne daß es dazu der Autorität bedurfte, die ihm eine von der Frankfurter Nationalversammlung zugesprochene Kaiserkrone verleihen konnte. Österreich war viel stärker, viel freier in seinen Bewegungen, seit es die machtlose deutsche Kaiserkrone abgeschüttelt û eine Krone, die seiner eigenen selbständigen Politik hinderlich war, ohne seiner Macht innerhalb wie außerhalb Deutschlands auch nur ein Jota hinzuzufügen. Und gesetzt den Fall, daß Österreich sich aus Italien und Ungarn zurückziehen müßte, dann wäre es auch um seine Macht in Deutschland geschehen, und es könnte niemals wieder den Anspruch auf eine Krone erheben, die ihm entglitten, als es sich im Vollbesitz seiner Macht befand. Daher erklärte sich Österreich sofort gegen jede Restauration des Kaisertums und verlangte rundheraus die Wiederherstellung des Deutschen Bundestags als der einzigen deutschen Zentralregierung, die in den Verträgen von 1815 erwähnt und anerkannt war, und am 4.März 1849 erließ es jene Verfassung, die nichts anderes bezweckte, als Österreich zu einer unteilbaren, zentralisierten selbständigen Monarchie zu erklären, völlig getrennt sogar von jenem Deutschland, das die Frankfurter Versammlung wieder aufrichten wollte.
Diese offene Kriegserklärung ließ den Frankfurter Neunmalweisen in der Tat keine andere Wahl, als Österreich aus Deutschland auszuschließen und aus dem Rest dieses Landes eine Art lower empire, ein "Kleindeutschland" zu schaffen, dessen ziemlich schäbiger Kaisermantel Seiner Majestät, dem König von Preußen, um die Schultern gelegt werden sollte. Das war, wie man sich erinnern wird, die Wiederbelebung eines alten Plans, den einige sechs oder sieben Jahre vorher eine Gesellschaft süd- und mitteldeutscher liberaler Doktrinäre ausgeheckt, die in den entwürdigenden Umständen, unter denen man jetzt ihre alte Schrulle als "neuesten Schachzug" zur Rettung des Vaterlandes wieder hervorholte, eine Fügung Gottes erblickten.
Die Versammlung brachte also im Februar und März 1849 die Debatte über die Reichsverfassung samt Grundrechten und Reichswahlgesetz zum Abschluß, jedoch nicht ohne sich in sehr vielen Punkten zu den widersprechensten Konzessionen genötigt zu sehen û heute an die konservative <87> oder, richtiger, reaktionäre Partei, morgen an die radikaleren Gruppen der Versammlung. Es war eine offenkundige Tatsache, daß die Führung der Versammlung, die früher in den Händen der Rechten und des rechten Zentrums (der Konservativen und der Reaktionäre) gelegen, allmählich, wenn auch nur langsam, auf die Linke des Hauses, auf die Demokraten, überging. Die ziemlich fragwürdige Stellung der österreichischen Abgeordneten in einer Versammlung, die ihr Heimatland aus Deutschland ausgeschlossen hatte, in der sie aber gleichwohl auch weiterhin sitzen und abstimmen sollten, begünstigte diese Verschiebung ihres Gleichgewichts; daher befanden sich das linke Zentrum und die Linke mit Hilfe der Österreichischen Stimmen schon seit Ende Februar sehr häufig in der Mehrheit, während an anderen Tagen die konservative Gruppe der Österreicher ganz plötzlich spaßeshalber mit der Rechten stimmte und dadurch den Ausschlag wieder zugunsten der anderen Seite gab. Sie wollte die Versammlung durch diese jähen soubresauts in Verruf bringen, was jedoch ganz unnötig war, da die Masse des Volkes von der völligen Hohlheit und Nichtigkeit all dessen, was von Frankfurt kam, längst überzeugt war. Welcher Art die Verfassung war, die mittlerweile bei solchem Hin- und Herspringen zustande gekommen, kann man sich leicht vorstellen.
Die Linke der Versammlung û diese Elite und dieser Stolz des revolutionären Deutschlands, wofür sie sich selber hielt û war förmlich berauscht von den paar armseligen Erfolgen, die sie davongetragen, dank dem Wohlwollen oder, richtiger, Übelwollen einer Handvoll österreichischer Politiker, die auf Veranlassung und im Interesse des österreichischen Despotismus handelten. Jedesmal, wenn die Frankfurter Versammlung einem Vorschlag, der auch nur im entferntesten an ihre eigenen keineswegs klar umrissenen Grundsätze erinnerte, in homöopathisch verdünnter Form eine Art Sanktion erteilte, verkündeten diese Demokraten, sie hätten Vaterland und Volk gerettet. Diese armseligen Schwachköpfe waren im ganzen Verlauf ihres meist recht obskuren Lebens so wenig an so etwas wie einen Erfolg gewöhnt, daß sie tatsächlich glaubten, ihre lumpigen Amendements, die mit zwei oder drei Stimmen Mehrheit durchkamen, würden das Antlitz Europas verändern. Seit Beginn ihrer parlamentarischen Laufbahn waren sie mehr als jede andere Fraktion der Versammlung von jener unheilbaren Krankheit, dem parlamentarischen Kretinismus, verseucht, einem Leiden, das seine unglücklichen Opfer mit der erhabenen Überzeugung erfüllt, daß die ganze Welt, deren Vergangenheit und deren Zukunft, durch die Stimmenmehrheit gerade jener Vertretungskörperschaft gelenkt und bestimmt wird, die die Ehre hat, sie zu ihren Mit- <88> gliedern zu zählen, und daß alles und jedes, was es außerhalb der Mauern ihres Hauses gibt û Kriege, Revolutionen, Eisenbahnbauten, die Kolonisierung ganz neuer Kontinente, kalifornische Goldfunde, zentralamerikanische Kanäle, russische Armeen und was sonst vielleicht noch Anspruch erheben kann, die Geschicke der Menschheit zu beeinflussen -, daß all das nichts ist im Vergleich mit jenen unermeßlich wichtigen Ereignissen, die mit der ausnahmslos bedeutungsvollen Frage zusammenhängen, der das hohe Haus gerade seine Aufmerksamkeit widmet. Dadurch, daß es der demokratischen Partei der Versammlung gelang, ein paar ihrer Zauberformeln in die "Reichsverfassung" einzuschmuggeln, ergab sich zunächst die Verpflichtung, sich für die Verfassung einzusetzen, obwohl sie in jedem wesentlichen Punkt ihren eigenen, oft verkündeten Grundsätzen direkt ins Gesicht schlug; und als diese Zwitterschöpfung schließlich von ihren Haupturhebern aufgegeben und den Demokraten vermacht wurde, nahmen diese die Erbschaft an und hielten wacker fest an dieser monarchischen Verfassung, auch wenn sie in Gegensatz geriet zu allen, die jetzt ihre eigenen republikanischen Grundsätze verkündeten.
Man muß jedoch zugeben, daß dieser Widerspruch nur ein scheinbarer war. Der unbestimmte, widerspruchsvolle, unausgereifte Charakter der Reichsverfassung spiegelte getreu die unreifen, verworrenen, einander widersprechenden politischen Ideen dieser Herrn Demokraten wider. Und wenn ihre eigenen Reden und Schriften - soweit sie schreiben konnten û das nicht genügend beweisen, ihre Handlungen würden diesen Beweis erbringen; denn unter vernünftigen Menschen versteht es sich von selbst, daß man einen Menschen nicht nach seinen Worten, sondern nach seinen Taten beurteilt, nicht danach, was er vorgibt zu sein, sondern danach, was er tut und was er wirklich ist; und die Taten dieser Helden der deutschen Demokratie sprechen, wie wir des weiteren noch sehen werden, laut genug für sich. Indessen, die Reichsverfassung mit all ihrem Drum und Dran wurde schließlich angenommen; und am 28.März wurde der König von Preußen mit 290 Stimmen bei 248 Enthaltungen und in Abwesenheit von etwa 200 Abgeordneten zum Kaiser von Deutschland (minus Österreich) gewählt. Die Ironie der Geschichte war vollständig: die Kaiserposse, die Friedrich Wilhelm IV. in den Straßen des erstaunten Berlin drei Tage nach der Revolution vom 18.März 1848 in einem Zustand aufführte, der anderswo unter das Trunkenheitsgesetz fiele û diese widerliche Posse erhielt genau ein Jahr später die Sanktion der Versammlung, die angeblich ganz Deutschland vertrat. Das war also das Ergebnis der deutschen Revolution!
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XVI. [Die Nationalversammlung und die Regierungen]
Nachdem die Frankfurter Nationalversammlung den König von Preußen zum Kaiser von Deutschland (minus Österreich) erkoren, sandte sie eine Abordnung nach Berlin, um ihm die Krone anzubieten, und vertagte sich dann. Am 3.April empfing Friedrich Wilhelm die Abgeordneten. Er erklärte ihnen, daß er zwar das Recht des Vorrangs vor allen anderen Fürsten Deutschlands, den ihm der Beschluß der Volksvertreter verliehen, anerkenne, daß er aber die Kaiserkrone nicht anzunehmen vermöge, solange er nicht sicher sei, ob seine Oberhoheit und die Reichsverfassung, die ihm jene Rechte übertrage, von den übrigen Fürsten anerkannt würden. Es sei Sache der deutschen Regierungen, fügte er hinzu, zu prüfen, ob diese Verfassung von ihnen gutgeheißen werden könne. Auf jeden Fall, schloß er, ob Kaiser oder nicht, werde man ihn immer bereit finden, sein Schwert gegen jeden äußeren und inneren Feind zu ziehen. Wir werden bald sehen, wie er dieses Versprechen in einer Art und Weise hielt, die die Nationalversammlung einigermaßen verblüffte.
Die Frankfurter Neunmalweisen kamen nach tiefgründiger diplomatischer Untersuchung zu guter letzt zu dem Schluß, diese Antwort komme einer Ablehnung der Krone gleich. Sie beschlossen daher (am 12.April), die Reichsverfassung sei Landesgesetz und müsse aufrechterhalten werden; und da sie sich gar keinen Rat wußten, wählten sie einen Dreißigerausschuß, der einen Vorschlag ausarbeiten sollte, wie die Verfassung durchgeführt werden könnte.
Dieser Beschluß löste den Konflikt aus, der jetzt zwischen der Frankfurter Versammlung und den deutschen Regierungen ausbrach.
Die Bourgeoisie und namentlich das Kleinbürgertum hatten sich ganz plötzlich für die neue Frankfurter Verfassung erklärt. Sie konnten den Augenblick nicht mehr erwarten, der "die Revolution abschließen" sollte. In Österreich und Preußen war die Revolution vorläufig durch das Eingreifen der bewaffneten Macht zum Abschluß gelangt. Die erwähnten Klassen hätten eine weniger gewaltsame Methode der Durchführung dieser Operation vor- <90> gezogen, aber es blieb ihnen keine andere Wahl; die Sache war geschehen, und sie mußten sich damit zufrieden geben, ein Entschluß, den sie sogleich faßten und höchst heroisch durchführten. In den kleineren Staaten, wo die Dinge verhältnismäßig glatt vor sich gegangen waren, waren diese Klassen längst in jene äußerlich blendende, aber ergebnislose, weil machtlose parlamentarische Agitation zurückgefallen, die ihrem Wesen so trefflich entsprach. Betrachtete man also die verschiedenen deutschen Staaten jeden für sich, so schienen sie die neue, endgültige Form erlangt zu haben, von der man annahm, sie werde fortan das Einlenken in den Pfad friedlicher konstitutioneller Entwicklung ermöglichen. Nur eine Frage war offen geblieben, die Frage der neuen politischen Organisation des deutschen Bundes. Und die Lösung dieser Frage, der einzigen, die noch Gefahren zu bergen schien, hielt man für unverzüglich notwendig. Daher der Druck, den die Bourgeoisie auf die Frankfurter Versammlung ausübte, um sie zu bewegen, die Verfassung so schnell wie möglich fertigzustellen; daher die Entschlossenheit der oberen wie der unteren Schichten der Bourgeoisie, diese Verfassung, ob gut oder schlecht, anzunehmen und für sie einzutreten, um unverzüglich geordnete Zustände zu schaffen. Von allem Anfang an also entsprach die Agitation für die Reichsverfassung reaktionären Gefühlen und ging von jenen Klassen aus, die der Revolution seit langem überdrüssig waren.
Die Sache hatte aber noch eine andere Seite. Die ersten, grundlegenden Prinzipien der künftigen deutschen Verfassung waren in den ersten Monaten des Frühjahrs und Sommers 1848 beschlossen worden, zu einer Zeit, als die Volksbewegung noch in vollem Gange war. Die zu jener Zeit gefaßten Beschlüsse, die damals freilich ganz reaktionär waren, erschienen jetzt, nach den Willkürakten der österreichischen und preußischen Regierung, außerordentlich liberal, ja demokratisch. Der Vergleichsmaßstab war ein anderer geworden. Die Frankfurter Versammlung konnte, ohne moralisch Selbstmord zu begehen, diese einmal beschlossenen Bestimmungen nicht streichen und die Reichsverfassung nach dem Muster jener Verfassungen gestalten, die die Regierungen Österreichs und Preußens mit dem Schwert in der Hand diktiert hatten. Überdies hatte sich, wie wir gesehen, die Mehrheit in der Nationalversammlung verschoben, und der Einfluß der liberalen und demokratischen Partei war im Ansteigen. Die Reichsverfassung zeichnete sich also nicht nur dadurch aus, daß sich ihr Ursprung ausschließlich vom Volke herleitete, sondern sie war auch bei all ihren Widersprüchen gleichzeitig noch die liberalste Verfassung in ganz Deutschland. Ihr größter Fehler war, daß sie bloß ein Stück Papier war, ohne jede Macht, ihren Bestimmungen Geltung zu verschaffen.
<91> Unter diesen Umständen war es ganz natürlich, daß die sogenannte demokratische Partei, daß heißt die Klasse des Kleinbürgertums, sich an die Reichsverfassung klammerte. Diese Klasse war in ihren Forderungen immer fortschrittlicher gewesen als die liberale monarchistisch-konstitutionelle Bourgeoisie; sie war kühner aufgetreten, hatte nicht selten mit bewaffnetem Widerstand gedroht und mit Versprechungen um sich geworfen, Gut und Blut im Kampf für die Freiheit zu opfern; sie hatte aber schon vielfach bewiesen, daß sie in der Stunde der Gefahr nirgends zu finden war und das ihr niemals wohler zumute war als am Tage nach einer entscheidenden Niederlage, wenn zwar alles verloren war, sie aber wenigstens den Trost hatte zu wissen, die Sache war jetzt so oder so erledigt. Während somit die Zustimmung der großen Bankiers, Fabrikanten und Kaufleute reservierten Charakter trug, mehr in der Art einer einfachen Demonstration zugunsten der Frankfurter Verfassung, tat die Klasse unmittelbar unter ihnen, unsere wackeren demokratischen Kleinbürger, gar großartig und verkündete wie gewöhnlich, sie werde eher ihren letzten Blutstropfen vergießen, als die Reichsverfassung fallenzulassen.
Unterstützt von diesen beiden Parteien, den Bourgeois, die für die konstitutionelle Monarchie waren, und den mehr oder weniger demokratischen Kleinbürgern, gewann die Agitation für die sofortige Einführung der Reichsverfassung rasch an Boden und fand ihren stärksten Ausdruck in den Parlamenten der einzelnen Staaten. Die Kammern in Preußen, Hannover, Sachsen, Baden und Württemberg erklärten sich für sie. Der Kampf zwischen den Regierungen und der Frankfurter Versammlung nahm rasch bedrohliche Gestalt an.
Die Regierungen handelten indessen rasch. Die preußischen Kammern wurden aufgelöst, was in Widerspruch zur Verfassung stand, da sie die preußische Verfassung zu revidieren und bestätigen hatten; in Berlin kam es zu Krawallen, die von der Regierung absichtlich provoziert wurden; und am nächsten Tag, am 28.April, erließ das preußische Ministerium eine Zirkularnote, in der die Reichsverfassung als ein höchst anarchisches und revolutionäres Dokument hingestellt wurde, das die deutschen Regierungen umgestalten und reinigen müßten. Preußen bestritt also rundheraus jene souveräne verfassunggebende Gewalt, deren sich die weisen Männer von Frankfurt immer gerühmt, für die sie aber nie feste Grundlagen geschaffen hatten. So wurde denn ein Kongreß von Fürsten, der alte Bundestag in neuer Form, berufen, der über die bereits als Gesetz verkündete Verfassung zu Gericht sitzen sollte. Und zur gleichen Zeit konzentrierte Preußen Truppen bei Kreuznach, drei Tagesmärsche von Frankfurt entfernt, und forderte die kleineren Staaten auf, seinem Beispiel zu folgen und ebenfalls ihre Kammern auf- <92> zulösen, sobald diese sich für die Frankfurter Versammlung erklärten. Dieses Beispiel wurde von Hannover und Sachsen schleunigst befolgt.
Eine Entscheidung des Kampfes durch Waffengewalt war offensichtlich unvermeidlich geworden. Die Feindseligkeit der Regierungen, die Gärung im Volke kamen von Tag zu Tag heftiger zum Ausdruck. Überall wurde das Militär von den demokratischen Bürgern bearbeitet, in Süddeutschland mit großem Erfolg. Überall wurden große Massenversammlungen abgehalten, auf denen beschlossen wurde, für die Reichsverfassung und die Nationalversammlung einzutreten, nötigenfalls durch Waffengewalt. In Köln fand zu dem gleichen Zweck eine Versammlung von Abgeordneten aller Gemeinderäte Rheinpreußens statt. In der Pfalz, im Bergischen, in Fulda, in Nürnberg, im Odenwald kamen die Bauern in hellen Scharen zusammen und ließen sich von der Begeisterung mitreißen. Um dieselbe Zeit löste sich die französische Konstituante auf, und die Vorbereitungen zur Neuwahl gingen unter heftiger Erregung vor sich, während an der östlichen Grenze Deutschlands die Ungarn innerhalb eines Monats durch eine Reihe glänzender Siege die Hochflut der österreichischen Invasion von der Theiß an die Leitha zurückgedrängt hatten und man täglich erwartete, sie würden Wien im Sturme nehmen. Weil aber die Phantasie des Volkes so von allen Seiten aufs höchste erregt und die aggressive Politik der Regierung mit jedem Tage bestimmtere Gestalt annahm, war ein gewaltsamer Zusammenstoß unvermeidlich, und nur feige Schwachköpfigkeit konnte sich einreden, der Konflikt könne auf friedlichem Wege beigelegt werden. Aber diese feige Schwachköpfigkeit war in der Frankfurter Versammlung ausgiebigst vertreten.
London, Juli 1852
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Der unvermeidliche Konflikt zwischen der Frankfurter Nationalversammlung und den Regierungen der deutschen Staaten brach in den ersten Maitagen 1849 endlich in offene Feindseligkeiten aus. Die österreichischen Abgeordneten, von ihrer Regierung abberufen, hatten die Versammlung bereits verlassen und waren nach Hause gefahren, mit Ausnahme einiger Mitglieder der Linken oder der demokratischen Partei. Die konservativen Mitglieder, die merkten, welche Wendung die Dinge zu nehmen drohten, zogen sich in ihrer überwiegenden Mehrheit sogar schon zurück, noch ehe sie von ihren betreffenden Regierungen dazu aufgefordert wurden. Ganz abgesehen von den Gründen, die, wie in unseren früheren Artikeln dargelegt, den Einfluß der Linken stärkten, genügte somit die bloße Tatsache, daß die Mitglieder der Rechten von ihren Posten desertierten, um die frühere Minderheit in die Mehrheit der Versammlung zu verwandeln. Die neue Mehrheit, die sich früher ein solches Glück nicht einmal im Traum hätte einfallen lassen, hatte ihre Oppositionsstellung dazu benutzt, gegen die Schwäche, die Unentschlossenheit, die Lässigkeit der alten Mehrheit und ihres Reichsverwesers große Reden zu führen. Jetzt war sie auf einmal dazu berufen, an die Stelle der alten Mehrheit zu treten. Sie sollte jetzt zeigen, was sie leisten könne. Natürlich, ihre Herrschaft konnte nur die Herrschaft der Energie, Entschlossenheit und Tatkraft sein. Sie, die Elite Deutschlands würde bald imstande sein, den senilen Reichsverweser und seine schwankenden Minister vorwärtszutreiben, und falls das nicht möglich sein sollte, würden sie û daran konnte kein Zweifel sein û kraft des souveränen Rechts des Volkes jene unfähige Regierung absetzen und durch eine energische, unermüdliche Exekutivgewalt ersetzen, die Deutschlands Rettung gewährleisten würde. Arme Teufel! Ihre Regierung û wenn von Regierung die Rede sein kann, wo niemand gehorcht û fiel noch lächerlicher aus als selbst die ihrer Vorgänger.
<94> Die neue Mehrheit erklärte, trotz aller Hindernisse müsse die Reichsverfassung durchgeführt werden, und zwar sofort; am nächsten 15.Juli solle das Volk die Abgeordneten zum neuen Reichstag wählen, und dieser solle darauf am 15.August in Frankfurt zusammentreten. Das war nun aber eine offene Kriegserklärung an jene Regierungen, die die Reichsverfassung nicht anerkannt hatten, darunter in erster Reihe Preußen, Österreich und Bayern, die mehr als Dreiviertel der Bevölkerung Deutschlands umfaßten û eine Kriegserklärung, die von ihnen eiligst aufgenommen wurde. Auch Preußen und Bayern beriefen jetzt die Abgeordneten ab, die von ihren Gebieten nach Frankfurt entsandt worden waren, und beschleunigten ihre militärischen Vorbereitungen gegen die Nationalversammlung. Auf der anderen Seite nahmen (außerhalb des Paramentes) die Demonstrationen der demokratischen Partei zugunsten der Reichsverfassung und der Nationalversammlung einen immer stürmischeren und gewaltsameren Charakter an, und die Masse des arbeitenden Volkes, geführt von den Männern der extremsten Partei, war bereit zu den Waffen zu greifen für eine Sache, die, wenn sie auch nicht ihre eigene war, ihnen wenigstens eine Möglichkeit gab, ihren Zielen durch die Säuberung Deutschlands von seinem alten monarchischen Ballast etwas näher zukommen. So standen sich Volk und Regierung überall mit äußerster Erbitterung gegenüber, der Ausbruch war unvermeidlich; die Mine war geladen, und ein Funke genügte, um sie zur Explosion zu bringen. Die Auflösung der Kammern in Sachsen, die Einberufung der Landwehr in Preußen, der offene Widerstand der Regierungen gegen die Reichsverfassung waren solche Funken; sie fielen, und im Nu stand das ganze Land in Flammen. In Dresden bemächtigte sich das Volk am 4.Mai siegreich der Stadt und verjagte den König, während sämtliche umliegende Bezirke den Aufständischen Verstärkungen sandten. Im Rheinland und in Westfalen weigerte sich die Landwehr auszumarschieren, besetzte die Zeughäuser und bewaffnete sich zum Schutz der Reichsverfassung. In der Pfalz bemächtigte sich das Volk der bayrischen Regierungsbeamten und der öffentlichen Gelder und setzte einen Verteidigungsausschuß ein, der die Provinz unter den Schutz der Nationalversammlung stellte. In Württemberg zwang das Volk den König, die Reichsverfassung anzuerkennen; und in Baden zwang die Armee im Verein mit dem Volk den Großherzog zur Flucht und errichtete eine provisorische Regierung. In anderen Teilen Deutschlands wartete das Volk nur auf das entscheidende Zeichen der Nationalversammlung, um zu den Waffen zu eilen und sich ihr zur Verfügung zu stellen.
<95> Die Lage der Nationalversammlung war weit günstiger, als nach ihrer unrühmlichen Vergangenheit erwartet werden konnte. Die westliche Hälfte Deutschlands hatte ihretwegen zu den Waffen gegriffen; die Truppen waren überall schwankend; in den kleineren Staaten standen sie der Bewegung zweifellos freundlich gegenüber. Österreich war durch den siegreichen Vormarsch der Ungarn gelähmt, und Rußland, diese Reserve der deutschen Regierungen, spannte alle Kräfte an, um Österreich gegen die Heere der Magyaren zu unterstützen. Es galt nur. Preußen zu bezwingen, und bei den revolutionären Sympathien, die dort vorhanden waren, bestand zweifellos Aussicht, dies Ziel zu erreichen. So hing alles vom Verhalten der Nationalversammlung ab.
Nun ist der Aufstand eine Kunst, genau wie der Krieg oder irgendeine andere Kunst, und gewissen Regeln unterworfen, deren Vernachlässigung zum Verderben der Partei führt, die sich ihrer schuldig macht. Diese Regeln, logische Schlußfolgerungen aus dem Wesen der Parteien und der Verhältnisse, mit denen man in einem solchen Falle zu tun hat, sind so klar und einfach, daß die kurze Erfahrung von 1848 die Deutschen ziemlich bekannt mit ihnen gemacht hat. Erstens darf man nie mit dem Aufstand spielen, wenn man nicht fest entschlossen ist, alle Konsequenzen des Spiels auf sich zu nehmen. Der Aufstand ist eine Rechnung mit höchst unbestimmten Größen, deren Werte sich jeden Tag ändern können; die Kräfte des Gegners haben alle Vorteile der Organisation, der Disziplin und der hergebrachten Autorität auf ihrer Seite; kann man ihnen nicht mit starker Überlegenheit entgegentreten, so ist man geschlagen und vernichtet. Zweitens, hat man einmal den Weg des Aufstands beschritten, so handele man mit der größten Entschlossenheit und ergreife die Offensive. Die Defensive ist der Tod jedes bewaffneten Aufstands; er ist verloren, noch bevor er sich mit dem Feinde gemessen hat. Überrasche deinen Gegner, solange seine Kräfte zerstreut sind, sorge täglich für neue, wenn auch noch so kleine Erfolge; erhalte dir das moralische Übergewicht, das der Anfangserfolg der Erhebung dir verschafft hat; ziehe so die schwankenden Elemente auf deine Seite, die immer dem stärksten Antrieb folgen und sich immer auf die sichere Seite schlagen; zwinge deine Feinde zum Rückzug, noch ehe sie ihre Kräfte gegen dich sammeln können; um mit den Worten Dantons, des größten bisher bekannten Meisters revolutionärer Taktik zu sprechen: de l'audace, de l'audace, encore de l'audace!
Was hatte also die Frankfurter Nationalversammlung zu tun, um dem <96> sichern Verderben zu entgehen, das ihr drohte? Vor allem mußte sie die Situation klar erfassen und sich überzeugen, daß sie keine andere Wahl mehr hatte, als sich entweder bedingungslos den Regierungen zu unterwerfen oder sich rückhaltlos und ohne zu Zaudern auf die Seite des bewaffneten Aufstandes zu stellen. Zweitens mußte sie sich öffentlich zu all den Erhebungen bekennen, die bereits ausgebrochen, überall das Volk aufrufen, die Waffen zur Verteidigung der Vertreter der Nation aufzunehmen und alle Fürsten, Minister und alle anderen für vogelfrei erklären, die es wagen sollten, sich dem souveränen, von seinen Beauftragten vertretenem Volk zu widersetzen. Drittens mußte sie sofort den deutschen Reichsverweser absetzen, eine starke, aktive, rücksichtslose Exekutivgewalt schaffen, aufständische Truppen zu ihrem unmittelbaren Schutz nach Frankfurt rufen und damit zugleich einen gesetzlichen Vorwand für das Umsichgreifen des Aufstands liefern, alle zu ihrer Verfügung stehenden Kräfte zu einem entschlossenen Ganzen zusammenfassen, kurz, rasch und ohne zu Zögern jedes zu Gebote stehende Mittel benützen, um die eigene Stellung zu stärken und die des Gegners zu schwächen.
Von alledem taten die tugendhaften Demokraten in der Frankfurter Versammlung das gerade Gegenteil. Nicht damit zufrieden, den Dingen ihren Lauf zu lassen, gingen diese Biederen so weit, durch ihren Widerstand alle sich vorbereitenden Aufstandsbewegungen zu unterdrücken. Das tat z.B. Herr Karl Vogt in Nürnberg. Sie sahen zu, wie die Aufstände in Sachsen, in Rheinpreußen und in Westfalen niedergeschlagen wurden, ohne ihnen anders beizustehen als durch einen Nachruf, einen sentimentalen Protest gegen die gefühllose Brutalität der preußischen Regierung. Sie unterhielten einen geheimen diplomatischen Verkehr mit den Aufständischen in Süddeutschland, hüteten sich aber, sie durch offene Anerkennung zu unterstützen. Sie wußten, daß der Reichsverweser mit den Regierungen unter einer Decke steckte, und dennoch wandten sie sich an ihn, der sich die ganze Zeit nicht rührte, mit dem Verlangen, den Intrigen dieser Regierungen entgegenzutreten. Die Reichsminister, alte Konservative, machten sich in jeder Sitzung über diese impotente Versammlung lustig, und sie ließ es sich gefallen. Und als Wilhelm Wolff, ein Abgeordneter aus Schlesien und einer der Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung", sie aufforderte, den Reichsverweser für vogelfrei zu erklären, den er mit Recht als den ersten und größten Reichsverräter bezeichnete, da wurde er von der einmütigen, tugendhaften Entrüstung dieser demokratischen Revolutionäre niedergebrüllt! Kurz, sie fuhren fort zu parlieren, zu protestieren, zu proklamieren, zu deklarieren, hatten aber nie den Mut oder den Verstand zu handeln. Mittlerweile rückten <97> ihre Feinde, die Truppen der Regierungen, näher und näher, während ihre eigene Exekutivgewalt, der Reichsverweser, eifrig über ihre rasche Beseitigung mit den deutschen Fürsten konspirierte. So verlor diese verächtliche Versammlung selbst die letzte Spur von Ansehen; den Aufständischen, die sich zu ihrem Schutz erhoben hatten, wurde sie völlig gleichgültig, und als sie schließlich, wie wir noch sehen werden, ein schmähliches Ende nahm, verschied sie, ohne das ihr ehrloser Abgang auch nur die mindeste Beachtung gefunden hätte.
London, August 1852
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In unserem letzten Artikel haben wir gezeigt, wie der Kampf zwischen den deutschen Regierungen auf der einen und dem Frankfurter Parlament auf der anderen Seite schließlich eine solche Heftigkeit erreichte, daß in den ersten Maitagen ein großer Teil Deutschlands sich in offenem Aufstand erhob, erst Dresden, dann die bayrische Pfalz, Teile der preußischen Rheinprovinz und zuletzt Baden.
In allen diesen Fällen bestand der wirklich kämpfende Kern der Aufständischen, jener Kern der zuerst zu den Waffen griff und sich mit den Truppen schlug aus den Arbeitern der Städte. Ein Teil der ärmeren Landbevölkerung, Landarbeiter und Kleinbauern, schloß sich ihnen im allgemeinen nach dem tatsächlichen Ausbruch des Kampfes an. Die Mehrzahl der jungen Männer aller unterhalb der Kapitalistenklasse stehenden Klassen war, wenigstens eine Zeitlang, in den Reihen der aufständischen Truppen zu finden, aber dieser ziemlich bunt zusammengewürfelte Haufen junger Leute lichtete sich sehr bald, als die Dinge eine etwas ernstere Wendung nahmen. Namentlich die Studenten, diese "Vertreter der Intelligenz", wie sie sich gern selbst bezeichneten waren die ersten, die fahnenflüchtig wurden, soweit sie nicht durch Verleihung des Offiziersrangs, wozu sie natürlich sehr selten eigneten, zurückgehalten wurden.
Die Arbeiterklasse beteiligte sich an diesem Aufstand, wie sie sich an jedem anderen beteiligt hätte, von dem sie erwarten durfte, er werde einige Hindernisse auf ihrem Wege zur politischen Herrschaft und zur sozialen Revolution aus dem Weg räumen oder wenigstens die einflußreicheren, aber weniger mutigen Gesellschaftsklassen in eine entschiedenere revolutionäre Richtung drängen, als sie bisher eingeschlagen. Die Arbeiterklasse griff zu den Waffen in dem vollen Bewußtsein, daß dieser Kampf in seiner unmittelbaren Zielsetzung nicht ihrer eigene Sache gelte; sie befolgte jedoch die für sie allein richtige Taktik, keiner Klasse, die (wie die Bourgeoisie im Jahre 1848) auf ihren Schultern emporgestiegen, die Festigung ihrer Klassen- <99> herrschaft zu gestatten, ohne mindestens dem Kampf der Arbeiterklasse für ihre eigenen Interessen freie Bahn zu eröffnen und auf jeden Fall eine Krise herbeizuführen, die entweder die Nation mit unwiderstehlicher Gewalt auf den Weg der Revolution trieb oder aber den vorrevolutionären Status quo soweit wie möglich wiederherstellte und damit eine neue Revolution unvermeidlich machte. In beiden Fällen vertrat die Arbeiterklasse die richtig verstandenen, wahren Interessen der gesamten Nation, indem sie den Verlauf der Revolution möglichst beschleunigte, jener Revolution, die für die veralteten Gesellschaftssysteme des zivilisierten Europas jetzt eine geschichtliche Notwendigkeit geworden ist, bevor sie daran denken können, ihre Kräfte wieder ruhiger und gleichmäßiger zu entfalten.
Die Landbevölkerung, die sich dem Aufstand anschloß, wurde der Revolutionspartei in der Hauptsache teils durch die unverhältnismäßig schweren Steuerlasten, teils durch die drückenden Feudalleistungen in die Arme getrieben. Ohne eigene Initiative, stellte sie ein Anhängsel der anderen Klassen dar, die in den Aufstand getreten, und schwankte zwischen den Arbeitern auf der einen und dem Kleinbürgertum auf der anderen Seite hin und her. Fast in jedem einzelnen Fall entschied ihre besondere soziale Lage, welcher Seite sie sich zuwandte; die Landarbeiter schlossen sich in der Regel den städtischen Arbeitern an; die Kleinbauern waren geneigt, mit den Kleinbürgern Hand in Hand zu gehen.
Diese Klasse der Kleinbürger, auf deren große Bedeutung und Einfluß wir bereits wiederholt hingewiesen, kann als die führende Klasse des Maiaufstands 1849 betrachtet werden. Da diesmal keine der großen Städte Deutschlands unter den Brennpunkten der Bewegung war, gelang es dem Kleinbürgertum, das in Mittel- und Kleinstädten immer vorherrscht, die Führung der Bewegung in die Hand zu bekommen. Überdies haben wir gesehen, daß in diesem Kampf für die Reichsverfassung und die Rechte des deutschen Parlaments die Interessen gerade dieser Klasse auf dem Spiel standen. In jeder der provisorischen Regierungen, die in allen aufständischen Gebieten gebildet wurden, vertrat die Mehrheit diesen Teil des Volkes, und ihre Leistungen können daher mit Recht als Maß dessen genommen werden, wessen das deutsche Kleinbürgertum fähig ist û wie wir sehen werden, zu nichts anderem als dazu, jede Bewegung zugrunde zu richten, die sich seinen Händen anvertraut.
Dem Kleinbürgertum, groß im Prahlen, fehlt die Kraft zur Tat, und es scheut ängstlich vor jedem Wagnis zurück. Der mesquine Charakter seiner <100> Handelsgeschäfte und Kreditoperationen ist hervorragend dazu geeignet, ihm den Stempel mangelnder Tatkraft und Unternehmungslust aufzuprägen; daher ist zu erwarten, daß die gleichen Eigenschaften auch sein politisches Auftreten kennzeichnen. Demgemäß munterte das Kleinbürgertum mit hochtrabenden Worten und prahlerischem Rühmen der Taten, die es verrichten werde, zum Aufstand auf; kaum war der Aufstand, sehr gegen seinen Willen, ausgebrochen, suchte es gierig, die Macht an sich zu reißen, machte aber von dieser Macht nur Gebrauch, um den Erfolg des Aufstands zunichte zu machen. Wo immer ein bewaffneter Zusammenstoß zu einer ernstlichen Krise führte, waren die Kleinbürger entsetzt über die gefahrvolle Lage, in die sie geraten; entsetzt über das Volk, das ihren großsprecherischen Ruf zu den Waffen ernst genommen; entsetzt über die Macht, die ihnen aufgezwungen; entsetzt vor allem über die Folgen der Politik, auf die sie sich notgedrungen eingelassen, für sich selbst, für ihre gesellschaftliche Stellung, für ihren Besitz. Wurde von ihnen nicht erwartet, für die Sache des Aufstands "Gut und Blut" einzusetzen, wie sie zu sagen pflegten? Waren sie nicht gezwungen, amtliche Stellungen im Aufstand einzunehmen und damit im Fall der Niederlage den Verlust ihres Vermögens zu riskieren? Und im Falle des Sieges, waren sie nicht sicher, sogleich aus Amt und Würden gejagt zu werden und durch die siegreichen Proletarier, die die Hauptmasse ihrer Kampftruppe bildeten, ihre ganze Politik umgestoßen zu sehen? In dieser Lage, zwischen zwei Feuern, die sie links und rechts bedrohten, wußte das Kleinbürgertum mit seiner Macht nichts anderes anzufangen, als den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen, wobei natürlich auch die geringe Aussicht auf Erfolg, die vielleicht noch bestehen mochte, verlorenging, so daß der Zusammenbruch des Aufstandes unausbleiblich wurde. Seine Taktik oder vielmehr sein Mangel an Taktik war überall gleich, und darum waren die Erhebungen des Mai 1849 in allen Teilen Deutschlands alle über denselben Leisten geschlagen.
In Dresden währte der Kampf in den Straßen der Stadt vier Tage lang. Die Dresdner Kleinbürger, die "Bürgerwehr", beteiligte sich nicht an den Kämpfen, sondern unterstützten in zahlreichen Fällen die Truppen gegen die Aufständischen. Diese wiederum bestanden fast ausschließlich aus Arbeitern der umliegenden Fabrikbezirke. Sie fanden einen fähigen, kaltblütigen Führer in dem russischen Flüchtling Michail Bakunin, der später in Gefangenschaft geriet und gegenwärtig in den Kasematten von Munkás in Ungarn eingekerkert ist. Durch das Eingreifen einer starken preußischen Truppenmacht wurde dieser Aufstand niedergeschlagen.
In Rheinpreußen kam es nur zu unbedeutenden bewaffneten Kämpfen. Da alle großen Städte Festungen waren, die von Zitadellen beherrscht <101> wurden, konnten die Aufständischen nur einige Scharmützel liefern. Sobald eine genügende Anzahl Truppen zusammengezogen war, war es mit dem bewaffneten Widerstand vorbei.
Mit der Pfalz und mit Baden dagegen fielen den Aufständischen eine reiche, fruchtbare Provinz und ein ganzer Staat in die Hände. Geld, Waffen, Soldaten, Kriegsvorräte, alles stand zur Verfügung. Selbst die Soldaten der regulären Armee schlossen sich den Aufständischen an, ja, in Baden standen sie in ihren vordersten Reihen. In Sachsen und in Rheinpreußen opferten sich die Aufständischen auf, um Zeit für die Organisierung der Bewegung in Süddeutschland zu gewinnen. Niemals hatte eine so günstige Lage für einen provinziellen Teilaufstand bestanden wie hier. Man erwartete eine Revolution in Paris, die Ungarn standen vor den Toren Wiens; in allen Staaten Mitteldeutschlands neigten nicht nur die Volksmassen, sondern auch die Truppen stark auf die Seite des Aufstands und warteten nur auf eine Gelegenheit, um sich ihm offen anzuschließen. Und doch war die Bewegung, einmal in die Hände des Kleinbürgertums geraten, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die kleinbürgerlichen Regenten, namentlich in Baden û an ihrer Spitze Herr Brentano -, vergaßen keinen Augenblick, daß sie durch Usurpierung des Platzes und der Prärogative des "gesetzlichen" Souveräns, des Großherzogs, Hochverrat begingen. Sie setzten sich in ihre Ministersessel mit Schuldbewußtsein im Herzen. Was kann man von solchen Feiglingen erwarten? Nicht nur, daß sie den Aufstand seiner eigenen spontanen Entwicklung überließen, ohne einheitliche Leitung und daher ohne rechte Wirkung, sie taten faktisch alles, was in ihren Kräften stand, um der Bewegung die Spitze abzubrechen, sie zu entmannen und zugrunde zu richten. Und sie taten das mit Erfolg, dank der eifrigen Unterstützung jener Sorte unergründlicher Politiker, der "demokratischen" Helden des Kleinbürgertums, die tatsächlich glaubten, "das Vaterland zu retten", dieweilen sie sich von einer Handvoll geriebener Leute vom Schlag des Herrn Brentano an der Nase herum führen ließen.
Was die Kämpfe selbst betrifft, so sind militärische Operationen niemals nachlässiger durchgeführt worden als unter dem badischen Oberbefehlshaber Sigel, einem früheren Leutnant der regulären Armee. Alles wurde durcheinandergebracht, jede günstige Gelegenheit wurde versäumt, jeder kostbare Augenblick mit dem Ausspinnen gewaltiger, aber undurchführbarer Pläne vertrödelt, bis, als schließlich der begabte Pole Mieroslawski den Befehl übernahm, die Armee desorganisiert, geschlagen, entmutigt, mangelhaft versorgt einem viermal so starken Feind gegenüberstand, so daß dem neuen Befehlshaber nicht übrigblieb, als bei <102> Waghäusel eine ruhmvolle, aber erfolglose Schlacht zu schlagen, einen geschickten Rückzug durchzuführen, ein letztes aussichtsloses Gefecht unter den Mauern von Rastatt zu liefern und abzudanken. Wie bei jedem Insurrektionskrieg, wo sich die Truppen aus geschulten Soldaten und aus ungeübten Aufgeboten zusammensetzen, gab es in der revolutionären Armee zahlreiche Fälle von Heldenmut und zahlreiche Fälle von unsoldatischer, oftmals unbegreiflicher Panik; aber so unvollkommen diese Armee notwendigerweise auch sein mußte, sie hatte wenigsten die Genugtuung, daß man eine vierfache Überzahl nicht für ausreichend hielt, um sie zu schlagen, und daß der Einsatz von hunderttausend Mann regulärer Truppen in einem Feldzug gegen zwanzigtausend Aufständische militärisch eine so hohe Einschätzung bekundete, wie wenn es sich um einen Kampf mit der alten Garde Napoleons gehandelt hätte.
Im Mai war der Aufstand ausgebrochen, Mitte Juli 1849 war er gänzlich niedergeworfen. Die erste deutsche Revolution war zu Ende.
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XIX. [Das Ende des Aufstandes]
Während der Süden und Westen Deutschlands sich in offenem Aufstand befanden und während die Regierungen von der Eröffnung der Feindseligkeiten in Dresden bis zur Übergabe von Rastatt etwas mehr als zehn Wochen brauchten, um dieses letzte Aufflammen der ersten deutschen Revolution zu ersticken, verschwand die Nationalversammlung von der politischen Bühne, ohne daß man ihrem Abgang die geringste Aufmerksamkeit geschenkt hätte.
Wir verließen diese erhabene Körperschaft in Frankfurt, bestürzt über die unverschämten Angriffe der Regierungen auf ihre Würde, über die Ohnmacht und verräterische Sorglosigkeit der von ihr selbst geschaffenen Zentralgewalt, über die Erhebung des Kleinbürgertums zu ihrem Schutze und die der Arbeiterklasse für ein revolutionäres Endziel. Unter ihren Mitgliedern herrschten tiefste Niedergeschlagenheit und Verzweiflung; die Ereignisse hatten mit einem Schlag eine so endgültige und entscheidende Wendung genommen, daß die Illusionen dieser gelahrten Gesetzgeber über ihre wirkliche Macht und Bedeutung binnen weniger Tage völlig zusammengebrochen waren. Die Konservativen hatten sich auf das von ihren Regierungen gegebene Zeichen hin bereits aus einer Körperschaft zurückgezogen, die nur mehr als Herausforderung der gesetzlichen Obrigkeit fortbestehen konnte. Die Liberalen gaben die Sache in völliger Verwirrung verloren und legten gleichfalls ihre Mandate nieder. Die Herren Abgeordneten nahmen zu Hunderten Reißaus. Ursprünglich acht- bis neunhundert an der Zahl, waren sie so rasch zusammengeschmolzen, daß zur Beschlußfähigkeit zunächst die Anwesenheit von hundertfünfzig und wenige Tage später von hundert Mitgliedern für genügend erklärt wurde. Und selbst diese waren schwer zusammenzubringen, obwohl die ganze demokratische Partei dageblieben war.
Der Weg, den diese Überbleibsel eines Parlamentes einzuschlagen hatten, lag klar genug zutage. Sie mußten sich nur offen und entschieden auf die <104> Seite des Aufstands stellen und ihm damit so viel Kraft vermitteln, wie die Gesetzlichkeit ihm verleihen konnte, während sie selbst mit einem Schlag ein Heer zu ihrem eigenen Schutz erhielten. Sie mußten die Zentralgewalt auffordern, alle Feindseligkeiten sofort einzustellen, und wenn diese Gewalt, wie vorauszusehen, das weder konnte noch wollte, so mußten sie diese sofort beseitigen und durch eine andere, energischere Regierung ersetzen. War es nicht möglich, Truppen der Aufständischen nach Frankfurt zu bringen (was im Anfang, als die Regierungen der Einzelstaaten schlecht vorbereitet und noch unschlüssig waren, leicht geschehen konnte), dann hätte sich die Versammlung ihren Sitz ohne weiteres mitten ins Aufstandsgebiet verlegen können. Dies alles, sofort und entschlossen und nicht später als Mitte oder Ende Mai getan, hätte sowohl dem Aufstand wie der Nationalversammlung noch Aussichten auf Erfolg eröffnen können.
Aber solch ein entschiedenes Vorgehen war von den Vertretern der deutschen Spießbürgerherrschaft nicht zu erwarten. Diese strebsamen Staatsmänner waren immer noch nicht von ihren Illusionen befreit. Jene Abgeordneten, die ihren verhängnisvollen Glauben an die Macht und Unverletzlichkeit des Parlamentes verloren hatten, hatten sich bereits auf die Strümpfe gemacht; die Demokraten, die dablieben, waren nicht so leicht dazu zu bringen, die Träume von Macht und Größe aufzugeben, in denen sie zwölf Monate lang geschwelgt. Treu der Methode, die sie bisher befolgt, scheuten sie vor entschiedenem Handeln zurück, bis jede Aussicht auf Erfolg, ja jede Möglichkeit eines Untergangs in Ehren, geschwunden war. Um eine erkünstelte, geschäftige Aktivität zu entfalten, deren reine, mit hohen Ansprüchen gepaarte Ohnmacht nur Mitleid und Spott hervorrufen konnte, richteten sie auch weiterhin Resolutionen, Adressen und Ansuchen an einen Reichsverweser, der sie nicht einmal zur Kenntnis nahm, und an Minister, die offen mit dem Feind paktierten. Und als Wilhelm Wolff, der Abgeordnete für Striegau, einer der Redakteure der "Neuen Rheinischen Zeitung", der einzige wirklich revolutionär in der ganzen Versammlung, ihnen sagte, wenn es ihnen ernst sei mit ihren Reden, müßten sie dem Geschwätz ein Ende machen und den Reichsverweser, diesen obersten Reichsverräter, sofort für vogelfrei erklären, da brach die ganze zusammengeballte tugendhafte Entrüstung dieser Herren Parlamentarier mit einer Wucht hervor, die sie niemals aufgebracht, wenn die Regierungen sie mit Schimpf und Spott überhäuften. Natürlich û denn Wolffs Vorschlag war das erste vernünftige Wort, das innerhalb der Mauern der Paulskirche gesprochen wurde; <105> natürlich, denn es war gerade das, was getan werden mußte; und eine derart offene Sprache, die so direkt auf das Ziel losging, konnte jener Schar empfindsamer Seelen nur verletzen, bei denen nichts entschieden war als die Unentschiedenheit, und die, zum Handeln zu feige, ein für allemal übereingekommen waren, daß nichts tun gerade das sei, was getan werden müsse. Jedes Wort, das einem Blitze gleich die verblendete, aber beabsichtigte Vernebelung ihrer Hirne erhellte, jeder Fingerzeig, der geeignet war, sie aus dem Labyrinth herauszuführen, in dem sie solange wie möglich zu verweilen sich versteiften, jede klare Auffassung vom wirklichen Stand der Dinge war naturgemäß ein Verbrechen gegen die Majestät dieser souveränen Versammlung.
Bald nachdem die Stellung der Herren Abgeordneten in Frankfurt trotz aller Aufrufe, Resolutionen, Interpellationen und Proklamationen unhaltbar geworden war, zogen sie sich zurück, aber nicht ins Aufstandsgebiet û das wäre ein zu entschiedener Schritt gewesen. Sie gingen nach Stuttgart, wo die württembergische Regierung eine Art abwartender Neutralität wahrte. Hier erklärten sie endlich den Reichsverweser seines Amtes für enthoben und wählten aus ihrer eigenen Mitte eine Regentschaft von fünf Mitgliedern. Diese Regentschaft machte sich schleunigst daran, ein Milizgesetz annehmen zu lassen, das tatsächlich in gebührender Form allen deutschen Regierungen übermittelt wurde.
Sie, die ausgesprochenen Feinde der Nationalversammlung, wurden aufgefordert, Truppen zu deren Verteidigung auszuheben! Weiter wurde û auf dem Papier natürlich û eine Armee zur Verteidigung der Nationalversammlung geschaffen. Divisionen, Brigaden, Regimenter, Batterien, alles war genau geregelt und verordnet. Nichts fehlte als die Wirklichkeit. Denn diese Armee wurde natürlich nie ins Leben gerufen.
Noch ein letztes Mittel bot sich der Nationalversammlung. Aus allen Teilen des Landes entsandte die demokratische Bevölkerung Deputationen, um sich dem Parlament zur Verfügung zu stellen und es zu energischem Handeln anzuspornen. Das Volk, das die Absichten der württembergischen Regierung kannte, beschwor die Nationalversammlung diese Regierung zu offener, aktiver Teilnahme am Aufstand im Nachbarlande zu zwingen. Aber nein! Indem sie nach Stuttgart ging, hatte sich die Nationalversammlung der württembergischen Regierung auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Die Abgeordneten wußten das und drosselten die Bewegung im Volke. Dadurch verloren sie den letzten Rest von Einfluß, der ihnen noch geblieben sein mochte. Sie ernteten die Verachtung, die sie verdienten, und auf Drängen Preußens und des Reichsverwesers machte die württembergische <106> Regierung dem demokratischen Possenspiel ein Ende, indem sie am 18.Juni 1849 den Sitzungssaal des Parlamentes absperrte und die Mitglieder der Regentschaft des Landes verwies.
Sie gingen nunmehr nach Baden, ins Lager des Aufstands; aber dort waren sie jetzt überflüssig: niemand schenkte ihnen Beachtung. Die Regentschaft indessen blieb û im Namen des souveränen deutschen Volkes û eifrig um die Rettung des Vaterlandes bemüht. Sie unternahm einen Versuch, von fremden Mächten anerkannt zu werden, indem Pässe ausstellte für jeden, der gewillt war, sie zu nehmen. Sie erließ Proklamationen und sandte Kommissare aus, um dieselben Gebiete Württembergs zum Aufstand zu bringen, deren aktiven Beistand sie verschmäht hatte, als es noch Zeit gewesen. Natürlich ohne Erfolg. Wir haben gerade einen Originalbericht vor uns, den einer dieser Kommissare, der Abgeordnete für Öls, Herr Rösler, der Regentschaft erstattete und dessen Inhalt recht bezeichnend ist. Es trägt das Datum Stuttgart, den 30.Juni 1849. Nachdem er die Abenteuer eines halben Dutzend dieser Kommissare bei ihrer ergebnislosen Suche nach barem Geld beschrieben, gibt er eine Reihe Entschuldigungen zum besten, weshalb er noch nicht auf seinen Posten gegangen, und ergeht sich dann in gar gewichtigen Betrachtungen über mögliche Differenzen zwischen Preußen, Österreich, Bayern und Württemberg und die möglichen Konsequenzen daraus. Nachdem er sich ausführlich damit beschäftigt, kommt er jedoch zu dem Schlusse, daß die Sache hoffnungslos sei. Danach macht er den Vorschlag, einen Postdienst aus zuverlässigen Männern zur Beförderung von vertraulichen Nachrichten und ein Spionagesystem zur Ausforschung der Absichten des württembergischen Ministeriums und der Truppenbewegungen zu schaffen. Dieser Brief ist nie beim Adressaten angelangt, denn als er geschrieben wurde, war die "Regentschaft" bereits völlig an das "Ministerium des Äußeren", d.h. nach der Schweiz übergegangen; und während der bedauernswerte Herr Rösler sich noch über die Absichten des furchtbaren Ministeriums eines Königreichs sechsten Ranges den Kopf zerbrach, hatten bereits hunderttausend preußische, bayrische und hessische Soldaten die ganze Sache in der letzten Schlacht unter den Mauern von Rastatt erledigt.
So verschwand das deutsche Parlament und mit ihm die erste und letzte Schöpfung der deutschen Revolution. Seine Einberufung war das erste sichtbare Zeichen gewesen, daß in Deutschland eine Revolution wirklich stattgefunden hatte; und es bestand solange, wie diese erste Revolution des modernen Deutschlands noch nicht zum Abschluß gebracht worden war. Gewählt unter dem Einfluß der Kapitalistenklasse von einer zerstückelten, verstreuten Landbevölkerung, die größtenteils erst aus der Dumpfheit des <107> Feudalismus erwachte, diente dies Parlament dazu, alle die großen, volkstümlichen Namen aus der Zeit von 1820 bis 1848, vereinigt in einer Körperschaft, auf die politische Bühne zu bringen und sie dann völlig zu erledigen. Alle Berühmtheiten des bürgerlichen Liberalismus waren hier versammelt. Die Bourgeoisie erwartete Wunder; sie erntete Schande für sich und ihre Vertreter. Die Klasse der Industrie- und Handelskapitalisten erlitt in Deutschland eine schwerere Niederlage als in irgendeinem anderen Lande; sie wurde zuerst in jedem einzelnen deutschen Staat besiegt, gedemütigt und aus den Ämtern gejagt und dann im zentralen deutschen Parlament aufs Haupt geschlagen, mit Schmähungen überhäuft und verspottet. Der Liberalismus in der Politik, die Herrschaft der Bourgeoisie, gleichviel ob unter monarchischer oder republikanischer Regierungsform, ist fortan in Deutschland unmöglich.
In der letzten Periode seines Bestehens diente das deutsche Parlament dazu, jene Partei, die seit März 1848 an der Spitze der offiziellen Opposition gestanden, mit unauslöschlicher Schmach zu bedecken: die Demokraten, die die Interessen des Kleinbürgertums und eines Teils der Bauernschaft vertraten. Diese Klasse hatte im Mai und Juni die Gelegenheit gehabt, zu zeigen, daß sie imstande sei, eine feste deutsche Regierung zu bilden. Wir haben gesehen, wie sie scheiterte, nicht so sehr infolge der Ungunst der Verhältnisse, als infolge der Feigheit, die sie bei jeder schwierigen Wendung seit Ausbruch der Revolution fortgesetzt zeigte; infolge der Kurzsichtigkeit, Kleinmütigkeit und Unentschlossenheit, die für ihr geschäftliches Gebaren bezeichnend sind und die sie auch in die Politik übertrug. Im März 1849 hatte diese Klasse durch ihr Verhalten das Vertrauen der Arbeiterklasse, der wirklichen Kampftruppe aller europäischen Erhebungen, verloren. Aber noch waren die Aussichten für sie nicht schlecht. Das deutsche Parlament war nach dem Austritt der reaktionäre und der Liberalen vollständig in ihrer Hand. Die Landbevölkerung stand auf ihrer Seite. Zwei Drittel der Truppen der kleineren Staaten, ein Drittel der preußischen Armee, der größere Teil der preußischen Landwehr waren bereit, sich ihr anzuschließen, wenn sie nur entschlossen und mit jener Kühnheit handelte, die sich aus klarer Erkenntnis der Sachlage ergibt. Aber die Politiker, die diese Klasse führten, besaßen nicht mehr Scharfblick als die Scharen der Kleinbürger, die ihnen Gefolgschaft leisteten. Es erwies sich, daß sie sogar noch verblendeter, noch leidenschaftlicher an Illusionen hingen, die sie wider besseres Wissen aufrechterhielten, daß sie noch leichtgläubiger waren und noch unfähiger, den Tatsachen entschlossen ins Auge zu sehen, als selbst die Libe- <108> ralen. Ihre politische Bedeutung ist gleichfalls unter den Gefrierpunkt gesunken. Aber da sie noch keine Gelegenheit gehabt, ihre abgedroschenen Prinzipien tatsächlich in die Wirklichkeit umzusetzen, hätten sie unter sehr günstigen Umständen vorübergehend wieder aufleben können, wenn ihnen nicht, gleich ihren Kollegen von der "reinen Demokratie" in Frankreich, der coup d'état des Louis Bonaparte auch diese letzte Hoffnung genommen hätte.
Mit der Niederlage des südwestdeutschen Aufstands und dem Auseinanderjagen des deutschen Parlaments findet die Geschichte der ersten deutschen Revolution ihren Abschluß. Wir haben jetzt noch einen letzten Blick auf die siegreichen Partner der konterrevolutionären Allianz zu werfen. Das soll in unserem nächsten Briefe geschehen.
London, 24. September 1852
<Ende des Textes>