Politische Anmerkungen zu der Literatur- und Linksammlung

Die Text- und Linksammlung www.ml-werke.de ist kein Selbstzweck. Hier geht es nicht um bloße Dokumentation an und für sich, es geht um den Gebrauchswert für die Analyse der kapitalistischen Realität. Wir sind berufstätige Untertanen, und von der knappen Freizeit verwenden wir nicht den größeren Teil für das Projekt www.ml-werke.de. Wichtiger für uns ist das praktische Wirksamwerden in verschieden politischen Zusammenhängen. Bei der politschen Aktivität zeigt es sich aber immer wieder, wie recht der Brecht hatte mit seinem Satz: "Nichts ist so praktisch wie eine gute Theorie".

Der Zerfall des Sozialismus in der Sowjetunion ist eine weltweit spürbare Niederlage für die Arbeiterbewegung. Zwar sind wir Kommunistinnen und Kommunisten uns nicht einig über den Zeitpunkt des qualitativen Umschlags: die möglichen Bruchpunkte reichen von der "Neuen Ökonomischen Politik" Lenins 1923 über die "Säuberungen" Stalins 1937, über die Intrigen Chruschtschows 1956 hin zur faktischen Abwendung der bürokratischen Elite vom Sozialismus 1989 unter Gorbatschow. Auch in China findet gegenwärtig die Herausbildung einer eliären Herrschaftsschicht statt, deren Interessen zunehmend mit den Interessen der arbeitenden Klassen in Widerspruch geraten. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß jede neue Gesellschaftsformation in der Geschichte sich erst nach Niederlagen durchsetzen konnte. Auch feudalistische Gesellschaften erlebten Niederlagen gegen Sklavenhaltersysteme, auch kapitalistische Anläufe fielen einem wiedererstarkten Feudalsystem zum Opfer.

Fukuyamas These vom Ende der Geschichte menschlicher Gesellschaften, "The End of History", besagt nur, daß die zur Zeit herrschende Klasse kein Interesse am Sozialismus hat. Das ist so wenig neu wie überraschend. Schon die Zerschlagung der revolutionären Aufstände 1848 in Deutschland feierten die Herrschenden als Wiederkehr der ewigen Ordnung. Siehe dazu Engels' Schrift "Revolution und Konterrevolution in Deutschland". Dabei ist ein Wechsel des gesellschaftlichen "Betriebssystems" längst überfällig. Immer offensichtlicher wird, daß das kapitalistische System selbst die elementaren Überlebensinteressen einer großen (und zunehmenden) Zahl von Menschen nicht mehr bedienen kann.

Als willkürliche Beispiele seien nur die Privatisierung der Wasserversorgung in den unterentwickelt gehaltenen Ländern und die fehlende Verfügbarkeit von Aids-Medikamenten aufgrund von Profitinteressen der Pharmakonzerne genannt. Selbst in der hochproduktiven Metropole, in Deutschland, sterben jeden Winter Obdachlose den Kältetod. Der erzwungene Verkauf der Ware Arbeitskraft über immer größere Entfernungen hinweg bedeutet massenhafte Automobilität mit allen negativen, oft auch tötlichen Folgen. Zahlreich sind auch die Opfer der jetzt wieder modern gewordenen imperialistischen Kriege: bislang wird fürs Öl allerdings anderswo geblutet, nicht in Deutschland.

Die vorherrschende Propaganda betont die "Menschenrechte", die Realität in den auszuplündernden Ländern ist eine andere: nicht selten wüten terroristische Marionettenregimes mit Mord und Folter gegen die eigene Bevölkerung. Einst Pinochet in Chile, Savimbi in Namibia, heute Uribe in Kolumbien: Schlächter und Tyrannen im Namen von "freedom and democracy" für die Profite der Konzerne. Auch der irakische Hussein ist ein Geschöpf der westlichen Metropolen, irakisches Giftgas war nie ein Problem für die hiesigen "Menschenrechtskrieger", solange es gegen Kurden und Schiiten eingesetzt wurde.

Vor diesem Hintergrund kann eine Literatursammlung helfen, aktuelle Erscheinungen einzuordnen. Auch wenn eine unmittelbare Übertragung von damaligen Bewertungen und Handlungsalternativen in die heutige Zeit nicht möglich ist: Bei der Lektüre fällt doch auf, wie sehr zum Teil 150 Jahre alte Beschreibungen und Analysen ihre Entsprechung im 21. Jahrhundert finden.

In diesem Sinne mit dem "Manifest der Kommunistischen Partei": "Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern." Ob der Satz "Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten." heute noch immer gilt, dies ist eine spannende Frage. Auch eine vergoldete Kette ist eine Kette. Dafür haben die arbeitenden Klassen "eine Welt zu gewinnen".

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!


Dokumentation: http://www.ml-werke.de